Alle Jahre wieder…

… kommt es im Winter vor, das Dächer durch eine hohe Schneelast vom Einsturz bedroht sind.

Foto: wiesbaden112.de

(uw) Es ist allerdings nur in Ausnahmefällen die Aufgabe der Feuerwehr, hier tätig zu werden und das Dach von Schnee zu befreien.
Droht unmittelbare Gefahr muß dennoch das Dach von der Last befreit werden, falls die Standsicherheit des Gebäudes dies noch zulässt.
Stellt ein Statiker oder ein speziell ausgebildeter Fachberater akute Einsturzgefahr fest, wird das Dach nicht mehr betreten und das Gebäude gesperrt.

Leider kam es in den letzten Wintern durch blinden Aktionismus der Einsatzkräfte zu Situationen, bei denen Unfälle nicht auzuschließen waren:
-Dächer wurden ungesichert mit einer Vielzahl von Personen betreten ohne das die Standsicherheit des Gebäudes beurteilt wurde.
-Teilweise wurden zusätzlich Maschinen zur Räumung benutzt, die das Dach weiter belasteten.
-Punktuelle Belastung der Dachhaut durch große Schneehaufen.

Eine weitere Gefahr sind Lichtkuppeln und Dachfenster. Hier besteht aktute Absturzgefahr, denn das Glas oder der Kunststoff bricht leicht, falls Personen diesen Bereich betreten.
Auch stellen Photoviltaik- und Solarthermieanlagen Hindernisse auf den Schneebedeckten Dächern dar. Diese sind u.U. auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen und dürfen keinesfalls betreten werden. Der Betreiber könnte die Einsatzkräfte für evtl. auftretende Schäden haftbar machen. Möglicherweise treten solche Defekte erst viel später auf.
Ein ganz besonderes Augenmerk sollte auf die Sicherung geg. Absturz gelegt werden! Der Feuerwehrhaltegurt in Verbindung mit der Feuerwehrleine sind nur zum Halten, bzw. Zurückhalten geeignet. Also das Erreichen der Absturzkante unmöglich zu machen. Besteht aber die Gefahr des Einbruchs/Durchbruchs muss ein Auffanggurt und ein Kernmanteldynamikseil aus dem Geräteset Absturzsicherung verwendet werden. Als Anschlagpunkt (oberhalb der zu sichernden Personen) eignet sich beispielsweise ein Kran oder eine Drehleiter. Ebenfalls geeignet sein können geprüfte Anschlagpunkte, die am Gebäude vorhanden sein können. Auf jeden Fall ist darauf zu achten, das die Sicherungskette dynamische Elemente (Falldämpfer, Dynamikseil) aufweist, um den Fangstoß abzumildern.
Weitere Informationen zur Absturzsicherung gibt es bei Abstusi.de

Grundsätzlich erfordern solche Einsätze gründliche Erkundung, umfangreiche Vorbereitung, geeignete Ausrüstung und PSA und detailierte Information und Unterweisung der Einsatzkräfte.

Erst wenn der Eigenschutz der Einsatzkräfte gegeben ist und z.B. Absturzsicherung hergestellt ist, darf mit der Schneeräumung begonnen werden. Taktische Maßnahmen können zusätzlich das Risiko minimieren.

Der deutsche Feuerwehrverdand DFV hat eine Fachempfehlung “Schneelastmessung und Schneeräumung” veröffentlicht, die im Downloadbereich heruntergeladen werden kann.
Sie beinhaltet neben einer Checkliste und Algorithmus wichtige Informationen für den Einsatzleiter. Besondere Hinweise für das Bundesland Bayern sind hier zu finden.

Clemens hat mir freundlicherweise ein kleines Berechnungs-Tool zur Verfügung gestellt, mit dem man überschlägig die Lasten ausrechnen kann, welche bei Schnee und Eis auf Dächern auftreten können. Dies sollte allerdings nur zur Orientierung dienen und entbindet den Einsatzleiter keinesfalls von seiner Pflicht einen Statiker oder Fachberater zu Rate zu ziehen!

Der Entwurf der Fachempfehlung vom DFV war Quelle dieses Artikels.
Danke an wiesbaden112.de für das Foto.

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