Die “Explosion” von Bodnegg

Foto: Feuerwehr Bodnegg

(uw) Verpuffung im Keller eines Mehrfamilienhauses verursacht massiven Gebäudeschaden – Glücklicherweise keine Verletzten – PV-Batteriespeicher als Ursache vermutet

In Bodnegg kam es am 3. März zu einer Verpuffung, die einen erheblichen Gebäudeschaden und einen Kellerbrand zur Folge hatte. Im Einsatzbericht der Feuerwehr heißt es: “Im Keller wurde ein stark verrauchter Heizraum entdeckt. Wie sich herausstellte, detonierte der im Keller verbaute Batteriespeicher durch einen technischen Defekt und sorgte im Anschluss für einen Schwelbrand im Keller. Durch die Druckwelle wurden mehrere Fenster und Türen nach Außen gedrückt, sowie der gesamte Dachstuhl angehoben.”

Um die Gefahr eines Brandes vom Batteriespeicher zu beseitigen, entschloss sich die Feuerwehr, den Speicher durch einen Elektromeister der FW Bodnegg stromlos zu schalten und zu demontieren. Hierzu sei angemerkt, dass dieses Vorgehen sehr gut überlegt werden muss und eine Trennung von elektrischen Leitungen, besonders wenn deren Zustand unklar ist, nur von Elektrofachkräften durchgeführt werden darf. Danach wurde der Speicher aus dem Gebäude ins Freie gebracht, wo der Batteriespeicher erneut brannte und abgelöscht wurde.
Dieses Schadenereignis ist angesichts der Anzahl der in Deutschland verbauten PV-Speicher  (Link zu BSW Marktdaten) in Wohngebäuden sehr selten, allerdings für die Beteiligen doch dramatisch.
Für die Bewohner, die glücklicherweise nicht verletzt wurden, deren Wohnung, bzw. Haus aber erheblich beschädigt wurde.
Für den Hersteller des Speichers, der bei Vorliegen eines Produktfehlers in Haftung genommen werden kann, aber auch für die gesamte Branche, die möglicherweise einen Imageschaden davon trägt. Vor diesem Hintergrund möchte ich etwas ausführlicher berichten.

Foto: Ulrich Wolf

Die markante Gehäuseform des Speichers verriet den Hersteller und löste eine heftige Diskussion über die Sicherheit dieses Typs, bzw. der Speicher im Allgemeinen aus.
Es ist aber ratsam, sich nicht an solchen Spekulationen zu beteiligen, solange keine wirkliche Ursache feststeht.

In diesem Zusammenhang muss ich das Krisenmanagement der Firma Senec, dem Hersteller des betreffenden Batteriespeichers ausdrücklich lobend hervorheben.
Kurz nach dem Ereignis äußerte sich Senec zum Brand und reagierte, wie ich meine, vorbildlich.

Am 9. März informierte der Hersteller alle Kunden per Mail und schaltete die Stromspeicher per Fernwartung in den Stand-by Modus. Dabei handelte es sich um eine vorsorgliche, freiwillige Maßnahme, weil bis dato nicht klar war, ob der Batteriespeicher überhaupt Ursache für die Verpuffung war.

Foto: Feuerwehr Bodnegg

In der Mail schreibt Senec unter Anderem: “Es existieren keine Anhaltspunkte, dass es technische Probleme mit unseren Systemen gibt. Da für uns das Thema Sicherheit höchste Priorität hat, haben wir uns dennoch zu diesem deutlichen Schritt entschieden. Es gab in den vergangenen Tagen drei Meldungen von Verpuffungen in Häusern, bei denen ein Sachschaden, aber kein Personenschaden entstand.”
und weiter: “Die Sicherheit unserer Kunden hat für uns oberste Priorität. Um jedwedes Risiko auszuschließen und um eine intensive Ursachenermittlung zu ermöglichen, haben wir uns vorsorglich für die Fernabschaltung entschieden. Die Fernabschaltung geschieht zentral, Kunden deren Speicher in diesen Zustand durch uns versetzt wurden, haben wir per E-Mail informiert.” 

Foto: Feuerwehr Bodnegg

In dem Branchen-Newsletter des  pv-magazine.de, welches ebenfalls über den Fall berichtet,  wurden die Speichertypen genannt, die abgeschaltet wurden. Es sind die Modelle: “„Senec.Home V3 hybrid“, „Senec.Home V3 hybrid duo“ und „Senec.Home V2.1“.

Am 10. März schrieb Senec in einem Facebook-Post: “Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Ursache und Hergang der aktuellen Ereignisse zu ermitteln. Unabhängig davon bieten wir allen unseren Kunden für jede angebrochene Woche, in der die Speicher nicht genutzt werden können, auf einfachem Wege einen pauschalen Betrag von 25,00 Euro an”.
Und weiter: ” Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir im Moment all unsere Kräfte auf die Untersuchung und Aufklärung der aktuellen Situation konzentrieren, denn wir haben zwei klare Prioritäten: die Sicherheit unserer Kunden und die schnelle Inbetriebnahme der Speicher. Daher wird es noch einige Tage dauern, bis wir unsere Kunden im Detail darüber informieren, wie genau der Ablauf sein wird”.

Ich habe selten eine so detaillierte Information im Fall von technischen Defekten, bzw. Bränden gesehen. Und selbst auf Nachfrage geben  sich Firmen und auch Dienststellen meistens wesentlich zurückhaltender, so meine Erfahrung. Das war bei Senec überraschenderweise ganz anders!

Es folgten am 17. März weitere Kunden und Presseinformationen zum Vorgehen, wie man die Speicher wieder in den Regelbetrieb nehmen will. Die Ursachenermittlung war noch nicht abgeschlossen.
Senec schreibt: “Durch intensive Zusammenarbeit mit renommierten Experten haben wir ein neuartiges Verfahren für ein regelmäßiges, kontinuierliches Monitoring entwickelt – zusätzlich zu den bereits umfangreichen Sicherheitseinrichtungen. Damit gehen wir signifikant über die aktuellen normativen Anforderungen hinaus. Im Rahmen der Wiederinbetriebnahme werden wir dieses Monitoring installieren und ab dann kontinuierlich fortführen.
Der Ablauf der Wiederinbetriebnahme im Einzelnen: Beginnend in dieser Woche bereiten wir die Anlagen für die Rückkehr in den Regelbetrieb vor. Jeder einzelne Speicher wird umfassend per Datenanalyse und unter Hinzuziehen einer Künstlichen Intelligenz überprüft. Aus den Ergebnissen dieser Überprüfung ergibt sich die Reihenfolge der Wiederinbetriebnahme. Wo notwendig, stellen wir dafür eine ausreichende Grundladung her. Danach beginnen wir zunächst mit einem begrenzten Regelbetrieb der Speicher. Anschließend überführen wir die Anlagen Zug um Zug in den vollen Regelbetrieb. Jede dieser Phasen setzt umfangreiche Tests, Validierungen und Software-Updates voraus und wird von uns engmaschig durch fortlaufende Analysen begleitet.”

Am 18. März gab es erste vorsichtige Informationen zur Ursache wie folgt:
“Was wir aber bereits wissen: Nach derzeitigem Erkenntnisstand können möglicherweise in sehr seltenen Fällen im Vorfeld auch für uns nicht erkennbare Schädigungen auf Zellebene vorliegen, die bis hin zu einem Brand führen können. Kommen dann noch ungünstige Umfeldeinflüsse dazu, kann es unter Umständen zu den beobachteten Schadensbildern kommen. Deswegen wird jeder einzelne Speicher umfassend per Datenanalyse und unter Hinzuziehen einer KI (Künstliche Intelligenz) überprüft -bis hinunter auf Zellebene. Damit sind wir in der Lage, auch extrem kleine und extrem seltene Abweichungen der Zellen zu erkennen. Aus den Ergebnissen dieser Überprüfung jedes einzelnen Speichers ergibt sich die Reihenfolge der Wiederinbetriebnahme der Speicher. Damit starten wir in dieser Woche. Da wir hier schrittweise vorgehen, wird es einige Zeit dauern, bis alle Systeme wieder voll aktiv sind.”

Die Kunden, die von der vorsorglichen Abschaltung betroffen waren, wurden in den kommenden Wochen umfassend per Mail informiert, wie den schrittweise Wiederinbetriebnahme erfolgen wird.
Am 15. April antwortete mir die Pressesprecherin von Senec, Frau Ingola Metz auf Nachfrage wie folgt:
“Auch wenn die Untersuchungen noch nicht vollständig abgeschlossen sind, wissen wir inzwischen grundsätzlich, was sich bei den Vorfällen ereignet hat.

Ursächlich ist eine auch für uns im Vorfeld bisher nicht erkennbare Schädigungen auf Zellebene. Diese Schädigung löste einen Kurzschluss in der Zelle aus. In Verbindung mit spezifischen Umwelteinflüssen führte dies zu den Ereignissen. Schädigungen auf Zellebene lassen sich technisch nicht komplett ausschließen. Wir haben daher in Zusammenarbeit mit weiteren Experten einen zusätzlichen Schutzmechanismus im Speicher entwickelt. Dieser verbessert die Früherkennung von vorhandenen oder sich anbahnenden Schädigungen auf Zellebene ab sofort nochmals deutlich. Durch eine vorausschauende Abschaltung betroffener Batteriemodule kann der Mechanismus zudem eventuelle Gefährdungen effektiv verhindern.

Foto: Feuerwehr Bodnegg

Mit einem begleitenden Monitoring für alle Speicher überprüfen wir darüber hinaus ständig die Wirksamkeit dieser neuen Sicherheitsparameter und optimieren den Betrieb unserer Speicher stetig.

Parallel haben wir die Parameter für eine Konditionierung der Batterie festgelegt. Die Konditionierung bereitet Batteriezellen auf den anstehenden Ladeprozess vor und wirkt sich positiv auf Leistungsfähigkeit und Lebensdauer der Batterie aus. Sie führt allerdings dazu, dass wir die Ladekapazität der Speicher vorübergehend deckeln müssen. Diese erweiterte Konditionierung ist ein Teil unseres neuen Sicherheits- und Monitoringkonzepts.

Zum Start werden die Speicher daher mit mindestens 30% beladen. In den kommenden Wochen erhöhen wir schrittweise die Speicherkapazität auf 100%. Dies erfolgt automatisch über die Fernwartung. Die Speicher müssen lediglich dauerhaft und verlässlich mit dem Internet verbunden sein. Kunden erkennen den Beginn des Ladeprozesses in ihrer SENEC.App an der Anzeige „Begrenzte Speicherkapazität“.”

Mit Erscheinen meines Artikels (26. April 2022) dürften die allermeisten Speicher wieder den Regelbetrieb aufgenommen haben und zuverlässig und sicher funktionieren.
Aufgrund der detaillierten Fehleranalyse würde ich vermuten, dass die untersuchten Speicher sicherer sind, als andere auf dem Markt befindliche Typen, denn wie das Beispiel zeigt, gab es bisher unbekannte Phänomene in den Zellen, die zum Brand, bzw. der Verpuffung geführt haben. Aber wie gesagt, das ist mein ganz persönlicher Eindruck!
In der Regel sind alle Speichersysteme sicher, solange die anerkannten Regeln der Technik bei Entwicklung, Produktion, Installation, Betrieb und Wartung eingehalten werden.

Mein Dank geht ausdrücklich an die Feuerwehr Bodnegg für die zur Verfügung gestellten Einsatzfotos und an Frau Metz von Senec für die freundliche Kommunikation und schnelle Beantwortung meiner Fragen.

Ergänzung 27. Mai 2022:
Einige Betreiber von den betroffenen Speichern bekamen von Senec ein Info per Mail, wonach ihr Speicher noch nicht für die dauerhafte Wiederinbetriebnahme freigegeben worden ist. Begründet wird das damit, dass noch nicht alle notwendigen Schritte zur Überprüfung abgeschlossen werden konnten. Der Speicher bleibt im s.g. geregelten Stand-by-Modus. Senec kündigt auch an, dass es erforderlich sein kann, eine Servicetechniker zu entsenden und dass möglicherweise einzelne Batteriemodule getauscht werden müssen.

In einer Meldung vom pv-magazine heißt es heute, dass Senec die Leistungsreduzierung wieder hochfahren will. Einige betroffene Kunden berichten, dass es trotz hochfahren des Systems wohl sehr lange Ladezeiten und Begrenzungen der Entnahmeleistung bei den Speichern gegeben hatte.

Dieser Beitrag wurde unter Nachrichten abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.